Sehen, wie die Kinder aufwachsen, wie sie spielen und von ihren Freunden lernen ...

Die Eltern werden aktiv in den Kindergartenalltag mit einbezogen. An vier Wochentagen betreut jeweils ein Elternteil gemeinsam mit den beiden Erzieherinnen die Kinder. Daraus ergibt sich für jede Familie ca. alle drei Wochen ein »Elterndienst«. Das gemeinsame ausgewogene Frühstück wird von dem diensthabenden Elternteil (teilweise zusammen mit den Kindern) zubereitet.

Oft sind es gerade diese Elterndienste, über die so mancher stolpert, der sich für einen Platz im Kindergarten der Elterninitiative interessiert. Zweifel oder Fragen tauchen auf, von »Das kann ich doch gar nicht leisten, ich bin doch berufstätig.« bis zu »Sind die Erzieherinnen denn da nicht genervt, wenn ihnen immer jemand ins Handwerk pfuscht?«

Natürlich ist es nicht immer einfach, die Aufgaben des Alltags, sei es Berufstätigkeit, Haushalt oder anderes, mit den Diensten im Kindergarten zu vereinbaren. Dennoch sind sich die Eltern einig, daß sich der Spagat zwischen den Pflichten des Alltags und dem Engagement im Kindergarten lohnt. Die Kinder wachsen mit der Selbstverständlichkeit auf, daß die sie umgebenden Erwachsenen gemeinsam an ihrem Wohl interessiert sind und Hand in Hand dazu beitragen. Die Kinder werden nicht in eine Institution geschickt, die mit dem Elternhaus nichts zu tun hat, sondern leben in einer Welt, zu der Kindergarten und die Beteiligung der Eltern immer dazu gehören.

Während der Dienste haben Eltern die Gelegenheit, nach Absprache mit den Erzieherinnen eigene Ideen und Fähigkeiten in den Kindergartenalltag mit einzubringen. Die Erzieherinnen empfinden dies nicht als Einmischung, sondern als Bereicherung ihrer Arbeit.

Die Zusammenarbeit zwischen Erzieherinnen und Eltern erfolgt nicht nur während der Dienste, sondern auch außerhalb der Betreuungszeiten. Da der Kindergarten keinem Träger untersteht, werden die Richtlinien der pädagogischen Arbeit gemeinsam von den Eltern und Erzieherinnen bestimmt.

Am Ende der Kindergartenprojekte steht immer eine Aufführung, eine gemeinsame Feier mit Kindern, Erzieherinnen und Eltern, so dass die Kinder auf einen Höhepunkt zusteuern können. Feste und Feiern haben in unserem Kindergarten einen festen Platz. Mehrmals jährlich (Laternenfest, Nikolausfeier, Sommerfest, Aufführungen im Kindergarten, Konzerte) treffen sich Eltern, Erzieherinnen und die Kinder um gemeinsam ein Fest zu feiern, das von allen Teilen gleichermaßen vorbereitet wurde und getragen wird. Kindergarten und Elternhaus gehören zusammen und diese Zusammengehörigkeit wird u.a. durch die emotionale Kraft einer gemeinsamen Feier gespeist.

Als unser Kindergarten im Jahr 2003 sein 30-jähriges Jubiläum feierte, ergriff während der Festreden spontan eine junge Dame das Wort, die zu den Anfangszeiten selbst Kind in diesem Kindergarten war. Vielleicht geben ihre Worte ein wenig von dem wieder, was doch kaum zu beschreiben ist: »Ich wünsche allen Kindern, die heute in diesen Kindergarten gehen, daß auch ihnen vor Rührung die Tränen kommen, wenn sie in 30 Jahren ihren Kindergarten besuchen. Wie gerne bin ich in diesen Kindergarten gegangen, und wie habe ich die Tage genossen, an denen meine Mutter Dienst hatte: Ich habe mich gefühlt wie eine Königin!«